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FAQ

Häufig gestellte Fragen

Zur Aids-Klinik in Harare

Antwort auf/zuklappen Warum engagiert sich Ruedi Lüthy in Harare?

Ende der 1990er-Jahre wurde auch in Europa langsam klar, welche katastrophalen Folgen die Aidsepidemie im südlichen Afrika ausgelöst hatte. Ohne lebensrettende HIV-Medikamente, die damals noch nicht als Generika verfügbar waren, war eine medizinische Hilfe aussichtslos. Was inzwischen in Europa und Amerika zu einer lebensrettenden Standardtherapie geworden war, existierte in kaum einem Entwicklungsland. Im Jahr 2002 traf Ruedi Lüthy an einem Aidskongress eine Ärztin aus Simbabwe. Sie bat ihn, ihr bei einer Studie zu helfen. Die Wirkung von Aspirin und Vitaminen sollte zur Behandlung von Aidspatienten untersucht  werden. Dies war das einzige, was der Ärztin zur Verfügung stand. Daraufhin besuchte Ruedi Lüthy die Ärztin in Harare und musste feststellen, dass in Simbabwe, wo zu dieser Zeit rund ein Drittel der Bevölkerung HIV-infiziert war, weder ein Konzept für die Betreuung von Aidspatienten noch HIV-Medikamente vorhanden waren. So entschloss Ruedi Lüthy, sich frühzeitig pensionieren zu lassen und nach Simbabwe zu gehen, um dort eine Aidsklinik zu eröffnen. In der Zwischenzeit sind viele Aidskranke gestorben. Heute ist rund ein Zehntel der Bevölkerung (ca. 1 Mio.) HIV-positiv, und davon benötigt rund die Hälfte dringend eine Therapie.

Antwort auf/zuklappen Wer betreut die Patientinnen und Patienten?

Ärzte sind rar geworden in Simbabwe. Sehr viele haben das Land verlassen. Deshalb wurde ein Konzept entwickelt, wonach die Patienten von speziell ausgebildeten Krankenschwestern und -pflegern betreut werden. Sie werden dabei von einer speziell für die Bedürfnisse der Klinik entwickelten Software unterstützt. Bei der ersten Konsultation, in regelmässigen Abständen und jeweils beim Auftreten von neuen Problemen wird ein Arzt oder eine Ärztin beigezogen. Sie sorgen auch für eine regelmässige Supervision der Krankenpfleger, und ein- bis zweimal pro Woche finden Patientenbesprechungen mit dem ganzen Team statt. Es besteht ein enges Vertrauensverhältnis zwischen Patienten und Pflegepersonal, was einen positiven Einfluss auf die Therapietreue hat. Diese entscheidet letztlich über Erfolg oder Misserfolg einer Behandlung.

Antwort auf/zuklappen Was wird genau geleistet in der Klinik?

Bevor eine Behandlung begonnen wird, muss durch gezielte Ausbildung und Aufklärung gewährleistet werden, dass die Patienten durch ihr Verhalten zum Erfolg der Therapie beitragen. Dazu gehört auch eine Analyse der familiären und sozialen Verhältnisse. Periodische Blutuntersuchungen, welche im eigenen Labor durchgeführt werden, helfen mit, Nebenwirkungen von Medikamenten frühzeitig zu erkennen und geben Auskunft über die Wirksamkeit der Therapie. Regelmässig kommen auch Ärzte und Krankenschwestern von anderen Spitälern in die Klinik, um sich dort aus- und weiterbilden zu lassen. Zusätzlich zur medizinischen Behandlung und psychosozialen Betreuung bietet die Klinik auch ein umfassendes Programm für Kinder und Jugendliche. Dieses beinhaltet Nachhilfeunterricht, Kindergarten, Zahnbehandlungen, Selbsthilfegruppen sowie Physiotherapie. Die meisten Patientinnen und Patienten sind mittellos, mehr als 50% der Kinder sind Waisen und können sich keine Nahrungsmittel kaufen. Deshalb erhält rund ein Viertel der Patienten Nahrungsmittelabgaben. 500 Erwachsene und Kinder erhalten Nahrungsmittel des World Food Programme (WPF) wie Öl oder Hülsenfrüchte. Hinzu kommen mehr als 400 Kinder, die Milchpulver erhalten, das von der DEZA finanziert wird.

Antwort auf/zuklappen Wie werden die Patientinnen und Patienten aus den unzähligen Kranken oder Infizierten ausgewählt?

In erster Priorität werden mittellose Personen behandelt, die eine Familie unterhalten oder in einem Beruf tätig sind, der für die Gesellschaft wichtig ist. Prioritär werden deshalb alleinstehende Mütter oder Väter, Krankenschwestern oder Lehrer behandelt. Hinzu kommen zahlreiche Waisenkinder, die allerschwächsten Mitglieder der Gesellschaft, die häufig Missbrauch und Gewalt ausgesetzt sind. Es wird familienzentriert gearbeitet, das heisst ebenfalls infizierte Familienmitglieder werden in das Programm eingeschlossen. Die Selektionskriterien für die Zulassung zur Therapie wurden aufgrund von Erfahrungen in ähnlichen Institutionen erarbeitet und werden laufend an neue Erfahrungen angepasst. Lokale Organisationen, ortsansässige Ordensschwestern, die sich für die Bedürfnisse der Ärmsten der Armen in Simbabwe einsetzen, und Ärzte aus Harare, die mit diesen Kriterien vertraut sind, helfen bei der primären Auswahl. In einem zweiten Schritt klärt das Team die näheren sozialen Umstände ab.

Kinder mit HIV und AIDS

Antwort auf/zuklappen Können auch HIV-positive Kinder behandelt werden?

Rund ein Drittel der Patienten sind Kinder. Dank der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Medikamente ist heute auch ihre Therapie zu den gleichen Kosten wie die der Erwachsenen möglich. Mit Unterstützung eines pädiatrischen Ärzte- und Schwesternteams aus der Schweiz wurde eine Lösung erarbeitet, die bereits ab 2004 eine korrekte und effiziente Behandlung von Kindern möglich gemacht hat. Die HIV-Medikamente wurden in der Klinik in Harare zermörsert und richtig dosiert in Kapseln abgefüllt. Seit 2007 stehen nun auch Generika für Kinder zur Verfügung.

Zum Ausbildungszentrum

Antwort auf/zuklappen Wer wird im Ausbildungszentrum geschult?

Im Newlands Clinic Training Centre werden pro Jahr rund 200 Krankenpflegerinnen und -pfleger sowie Ärztinnen und Ärzte in der Behandlung von HIV und Aids ausgebildet. Damit trägt Swiss Aids Care International dazu bei, dass auch über die Newlands Clinic hinaus immer mehr Patienten in Simbabwe Zugang zu einer Behandlung erhalten.

Antwort auf/zuklappen Was lernen die Teilnehmer?

In einem zweiwöchigen Intensivkurs lernen sie die theoretischen Grundlagen und den praktischen Umgang mit den Patienten. Das medizinische Personal ist damit in der Lage, die häufigsten Komplikationen der HIV-Infektion, die mit der Zerstörung des Immunsystems einhergehen, selbstständig zu diagnostizieren und zu behandeln. Dazu gehört auch die Überwachung der Therapie mit Laboruntersuchungen. Dieses Wissen setzen die Krankenpflegerinnen und -pfleger sowie Ärztinnen und Ärzte anschliessend in Kliniken in ganz Simbabwe ein.

Zahlen

Antwort auf/zuklappen Was kostet eine Behandlung?

Die Betreuung kostet einschliesslich Medikamente, Laboruntersuchungen und Löhne pro Jahr rund CHF 600 für einen Erwachsenen oder ein Kind.

Antwort auf/zuklappen Wer bezahlt die Therapie für die Patientinnen und Patienten?

Da die wenigsten Patienten über ein Einkommen verfügen, finanziert die Stiftung Swiss Aids Care International die Betreuung vorwiegend durch Spenden aus der Schweiz und mit Unterstützung der DEZA. Mehr als 94 Prozent der Spendengelder fliessen direkt ins Projekt und nur knapp 6 Prozent in die Verwaltung.

Antwort auf/zuklappen Wie viele Patientinnen und Patienten werden in der Klinik behandelt?

Die Zahl der Behandelten hängt vom Erfolg der finanziellen Strategie des Klinikmanagements und vom Spendenaufkommen für die Stiftung ab. Zurzeit werden fast 4'000 Patientinnen und Patienten behandelt und betreut, davon sind mehr als ein Drittel Kinder. Eine HIV-Therapie ist nach heutigem Wissensstand lebenslänglich. Deshalb ist die Langzeitstrategie der Stiftung von grösster Bedeutung.

Zur gesellschaftlichen Realität in Simbawe

Antwort auf/zuklappen Die politische und ökonomische Zukunft Simbabwes erscheint sehr unsicher. Wie lange kann sich die Stiftung dort noch engagieren?

Simbabwe hat im Jahr 2009 eine Regierung der «Nationalen Einheit», eine Koalition zwischen der ehemaligen Regierungspartei und der Opposition, gebildet. Seither und seit der Einführung des Dollars als Währung sind deutliche Verbesserungen auch für die Bevölkerung ersichtlich. Allerdings sind immer noch mehr als 80% der Bevölkerung arbeitslos. Hoffnungen auf eine rasche Verbesserung der Situation scheinen unrealistisch, und die Finanzierung von öffentlichen Dienstleistungen wie Gesundheit oder Erziehung wird voraussichtlich noch viele Jahre auf die Unterstützung durch ausländische Organisationen und Staaten angewiesen sein. Das Engagement der Stiftung ist deshalb enorm wichtig für das Überleben von Tausenden von Patienten und deren Familien. Mit den Ausbildungskursen für Gesundheitspersonal aus dem ganzen Land leistet die Stiftung aber auch nachhaltige Hilfe, die mittelfristig das Los von hunderttausenden von HIV- und Aidspatienten verbessern kann.

Antwort auf/zuklappen Die politischen Verhältnisse, die Parteidominanz im öffentlichen Leben, die bekannte Vetternwirtschaft und das Clandenken der simbabwischen Gesellschaft werden sich kaum ändern. Wie will man damit umgehen?

Es kann nicht Aufgabe einer humanitär arbeitenden Organisation sein, die sozialen, politischen oder gesellschaftlichen Verhältnisse zu ändern. Die Newlands Clinic betreut mittellose Patienten, die ihrerseits Kinder aufziehen oder Berufe ausüben, die für die Gesellschaft unverzichtbar sind. Zudem sorgt sie mit dem Ausbildungszentrum für Know-how-Transfer und setzt sich für die Aufklärung der Patienten ein. Insofern leistet sie einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag.

Zur Stiftung und zu Spenden

Antwort auf/zuklappen Wie werden die Spendengelder eingesetzt?

Die Kosten für die Verwaltung liegen unter 6% der Spendeneinnahmen. Die Projektarbeit, die Gründung der Stiftung und die ganze Planung des Einsatzes hat Prof. Lüthy ehrenamtlich geleistet. Für die Arbeit in Simbabwe bzw. die Geschäftsführung erhalten Ruedi und Sabine Lüthy ein monatliches Salär, ebenso wie alle Mitarbeitenden vor Ort. Alle Stiftungsratsmitglieder arbeiten ehrenamtlich, ebenso die Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats. Alle Sammeltätigkeiten der Stiftung werden kostenbewusst geplant und durchgeführt.

Antwort auf/zuklappen Wie hoch sind die Rückstellungen der Stiftung?

Im Laufe der Jahre konnte der Bedarf für rund eineinhalb  Jahre Klinikbetrieb zurück gestellt werden. Damit ist sichergestellt, dass der Betrieb auch bei einem Einbruch der Spendeneinnahmen weitergeführt werden kann und dass wichtige Investitionen getätigt werden können.

Antwort auf/zuklappen Wieso soll jemand in der Schweiz Geld für ein Projekt in Simbabwe spenden, wenn bekannt ist, dass ein Teil der Gelder vieler Hilfsorganisationen in den Taschen der Privilegierten des Landes enden?

Die Gelder, die von Swiss Aids Care International gesammelt und in Simbabwe investiert werden, unterstehen der Kontrolle der Stiftung. Sämtliche Ausgaben in Simbabwe werden ausschliesslich für den Betrieb der Klinik und des Ausbildungszentrums eingesetzt. Die Jahresrechnung wird von einer international anerkannten Buchprüfungsfirma kontrolliert. Investitionen in die Infrastruktur (Aufbau, allfällige Erweiterungen) sind klar definiert und gebunden. Dazu kommen Medikamenten- und Betriebskosten (Löhne, Verbrauchsmaterialien), die monatlich aus der Schweiz überwiesen werden.

Antwort auf/zuklappen Wie kann der Spender sicher sein, dass sein Geld auch entsprechend seinem Willen verwendet wird?

Prof. Ruedi Lüthy und die Geschäftsführerin Sabine Lüthy setzen sich persönlich für die korrekte Verwendung der Spendergelder ein. Ruedi Lüthy verbringt die meiste Zeit des Jahres in Harare und leitet die Klinik selbst.

Antwort auf/zuklappen Wieso wirbt SACI für Patenschaften für Patientinnen und Patienten, wenn doch bekannt ist, dass solche Personalisierungen den Spendern falsche Vorstellungen über ein Hilfsprogramm vermitteln?

Eine Eins-zu-eins-Beziehung zwischen Spendern und Hilfsbedürftigen ist natürlich unmöglich. Medizinisch gesehen würde eine solche Personalisierung von Spendenaufkommen die notwendige Flexibilität bei der Behandlung verunmöglichen. Ferner ist die weitgehende Verdrängung und Stigmatisierung der HIV-Infektion im südlichen Afrika ein Hindernis für solche Modelle. Weil aber Spenderinnen und Spender gern konkrete Projekte unterstützen, kommt ihnen unser Finanzierungsmodell entgegen: Die durchschnittlichen Kosten von CHF 600 pro Patient und Jahr sind eine Richtgrösse, die den Spendern aufzeigt, was ihr Beitrag möglich macht.

Zu Professor Ruedi Lüthy

Antwort auf/zuklappen Woher nimmt Lüthy das notwendige Spezialwissen, um in Simbabwe ein derart heikles Unterfangen wie Aids-Therapie und -Betreuung anzupacken?

Durch seine Pionierarbeit bei der Bekämpfung von Aids in der Schweiz ist Prof. Ruedi Lüthy zum Spezialisten auf verschiedenen Gebieten geworden. Er hat als Infektiologe die medikamentöse Therapie seit den Anfängen mit entwickelt und verfeinert. Aufschluss darüber gibt die von ihm initiierte Schweizerische HIV-Kohortenstudie, die internationalen Modellcharakter besitzt. Als Mitbegründer und späterer Leiter des Zürcher Lighthouse hat sich Ruedi Lüthy aber auch mit grossem Engagement auf die Betreuung, Pflege und soziale Einbettung seiner Patienten konzentriert. Durch die katastrophalen Krankheitsverläufe der frühen Jahre motiviert, wurde Ruedi Lüthy zum Spezialisten für Palliativmedizin, die sich der Sicherung von Lebensqualität und Leidensminderung bei unheilbaren Fällen widmet. Er ist sich bewusst, dass er sich auf die lokal rekrutierten Ärzte und Ärztinnen, auf das ganze Pflegepersonal stützen muss, um möglichst effizient und nachhaltig behandeln zu können. Know-how als Patientenausbildner und Präventivmediziner – er war zu Beginn in der Präventionsstrategie des Bundesamtes für Gesundheit involviert – runden sein Profil ab.

Weitere Auskünfte

Medienkontakt
Janine Haas
Tel. 044 295 90 76
E-Mail an Janine Haas

Swiss Aids Care International
Schaffhauserstrasse 43
Postfach 321
8042 Zürich

Tel. 044 350 49 90
E-Mail